Close

Bildung

Volksschulen

Bei der Volksschule sollen insgesamt 35 Millionen über die nächsten drei Jahre gekürzt werden.

Durch die Kommunalisierung der Schulleitungen verschiebt der Kanton die Anstellungsbedingungen, das Pensum und das Pflichtenheft weitgehend in die Willkür der Gemeinden. Die Folgen sind der Verlust von fairen und einheitlichen Rahmenbedingungen. Die Ungleichheit zwischen finanzstarken und -schwachen Gemeinde wächst, was die Lehrpersonen und die Schüler*innen zu spüren kriegen werden.

Da die Gemeinden zudem die Löhne der Schulleitungen in Zukunft alleine zu berappen haben, werden die kommunalen Budgets arg belastet. Wenn auf Steuererhöhungen verzichtet wird, muss das Geld in anderen Bereichen eingespart werden. In den Gemeinden drohen damit schmerzhafte Kürzungen und ein massiver Bildungsabbau.
Die Massnahme ist auch angesichts des für das Schuljahr 15/16 vollzogenen Wechsels der Anstellungsbedingungen für Lehrpersonen mit tiefen Pensen, die von der Gemeindeebene auf die Kantonsebene übergeführt wurden – also genau den umgekehrten Weg wie die Schulleitung jetzt gehen sollte – absurd.

Weiter greift der Regierungsrat die Sonderschulen an und will dort ein „restriktives Ressourcenmanagement“ mit unabsehbaren Folgen einführen. Menschen, die nicht der Verwertungslogik der bürgerlichen Bildungspolitik entsprechen, scheinen für den Regierungsrat keinen Anspruch auf ausreichende Schulressourcen zu haben.

All diese Massnahmen gliedern sich ein in eine lange Reihe von Kürzungen und Abbauplänen der letzten Jahrzehnte, welche die Volksschulbildung ständig verschlechtern und jegliche progressive Projekte wie etwa integrative Schulgestaltung verunmöglichen! Integrative Schulgestaltung wird von bürgerlicher Seite her immer wieder als „gescheitert“ bezeichnet. Doch die offenkundigen Schwierigkeiten mit integrativer Schulbildung sind gerade das Resultat der schlechten Rahmenbedingungen und fehlenden Ressourcen, welche die Abbaupolitik der letzten Jahre hervorbrachte.

Berufsbildung

In der Berufsbildung sollen jährlich mindestens neun Millionen Franken eingespart werden.

Neben einem neuen Finanzierungsmodell (Lernendenpauschalen) und Abstrichen beim Gebäudeunterhalt, sollen vor allem die zwei öffentlichen Lehrwerkstätten für Schreiner*innen in Zürich und Schneider*innen in Winterthur geschlossen werden, sowie die Lehrplätze an der Mechatronik Schule Winterthur von 200 auf 160 Lernende gekürzt werden.

Die Lehrwerkstätten ermöglichen den Lernenden seit Jahrzehnten einen erfolgreichen Berufseinstieg und eine breite, umfassende Ausbildung im jeweiligen Berufsfeld. Dies steht nun auf dem Spiel, weil der Kanton seine jährlichen Unterstützungsbeiträge von rund zwei Millionen Franken streichen will.
In Absprache mit den Arbeitgeberverbänden versuchen die Schulleitermittlerweile „neue Trägerschaften“ für die Lehrwerkstätten zu finden. Ein öffentliches Erfolgsmodell wird damit privatisiert. Sobald aber die Lehrwerkstätten in offener Konkurrenz mit anderen Betrieben stehen und sie am Ende des Monats profitabel sein müssen, sind auch all die Errungenschaften der Lehrwerkstätten – ein Einführungsjahr, ausreichend Zeit in der Lehre, Ausbildung in allen Berufsbereichen, etc. – in Gefahr.

Der Abbau des Berufsvorbereitungsjahrs führt dazu, dass viele Jugendliche nicht mehr in einem Brückenjahr hinreichend auf die berufliche Grundbildung vorbereitet werden. Gerade Personen mit individuellen Bildungslücken am Ende der obligatorischen Schulzeit werden so alleine gelassen. Das 10. Schuljahr fördert die Deutschkenntnisse und die Integration. Betroffen wären gerade auch junge Geflüchtete, die auf Grund ihres Alters bis anhin keinen Anspruch auf schulische Grundbildung besitzen.

Insbesondere bürgerliche (Abbau-)Politiker*innen, die ständig wiederholen, dass das duale Berufsbildungssystem in der Schweiz mitverantwortlich sei für wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und geringe Jugendarbeitslosigkeit und nun trotzdem die Schliessung bzw. die Privatisierung der Lehrwerkstätten unterstützen, sollten sich schämen.

Pressespiegel

NZZ: Gewerbe soll Zürcher Lehrwerkstätten retten

SRF: Widerstand gegen Schliessung der kantonalen Schneiderinnen-Lehre

Gymnasiale Bildung

Die Kostensteigerung an den Mittelschulen ist alleine auf die Entwicklung der Bevölkerungs- und Schüler*innenzahlen zurückzuführen. Die finanziellen Folgen für diesen Trend sollen nun auf die Lehrpersonen und Schüler*innen abgewälzt werden. 44 Mio. Fr. an Mitteln will der Regierungsrat über die nächsten 3 Jahre an den Gymnasien wegkürzen. Es kommt zu Lohn- und Budgetkürzungen.

Betroffen sind insbesondere die Kolleg*innen, die Deutsch und moderne Fremdsprachen unterrichten. Ihnen wurde bereits das Pflichtpensum erhöht, was bei gleichbleibender Anstellung einer Lohnkürzung gleichkäme. Dasselbe droht auch weiteren Lehrpersonen. Angesichts der steigenden Belastung der Lehrpersonen und beunruhigenden Burnout-Zahlen, ein fatales Signal für die Zukunft.

Zudem entzieht die Änderung des Finanzierungsschlüssels den Gymnasien jährlich mehr als 4 Millionen Franken und bedroht die Schulqualität einschneidend. Und das bei steigenden Schüler*innenzahlen.

Zusätzlich sollen an den kantonalen Gymnasien die – ohnehin schon zu grossen – Schulklassen noch weiter zusammengelegt und Klassenvergrösserungen sogar überschulisch organisiert werden. Das bedeutet für die Schüler*innen längere Schulwege, grössere Klassen und schlechtere Unterrichtsqualität. Nicht nur die Erfahrung der Lehrkräfte zeigt, dass zu grosse Klassen die Hauptursache für diverse schulische Schwierigkeiten sind, sondern auch Studien belegen diesen Zusammenhang. All das nur, um Lohnkosten einzusparen.

Damit noch nicht genug! Eine weitere Massnahme soll den Zugang zu den Gymnasien erschweren. Es sollen also im Verhältnis noch weniger Menschen das Gymnasium besuchen können. Es wird von etwa einer Schulklasse pro Jahrgang pro Schulhaus gesprochen, welche weggestrichen werden soll. Unter einer erweiterten Selektion beim Zugang zum Gymi werden vor allem Schüler*innen leiden, welche sich keine Unterstützung- und Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfungen leisten können. Die soziale Mobilität wird reduziert und der Zugang zu gymnasialer Bildung immer mehr ein Privileg der Reichen.

Zu all dem wird den Mediotheken zukünftig viel weniger Geld ausbezahlt, was dazu führt, dass sich der Bestand an Literatur an den Schulen verringert, oder die Mediotheken für einzelne Tage sogar ganz geschlossen bleiben.

All diese Massnahmen gliedern sich ein in eine lange Reihe von Kürzungen und Abbaupläne der letzten Jahrzehnte, welche unsere Bildung ständig verschlechtern. Politiker*innen fordern sogar schon bis zu zehn Schüler*innen mehr pro Klasse, die bürgerliche Ratsmehrheit, welche mit der USR III bereits die nächsten Steuerausfälle vorprogrammiert, will Unterricht wie zu Gotthelfs Zeiten!

Doch Bildung ist keine Ware, sondern ein unverhandelbares Grundrecht! Sie wollen unsere Bildung kaputtsparen, wehren wir uns gemeinsam dagegen!

Pressespiegel

Tages-Anzeiger: Klassengrösse ist das Hauptproblem

Tages-Anzeiger: Ein Drittel der Lehrer ist Burn-out-gefährdet

Aargauer Zeitung: «Wie vor 40 Jahren»: SVP-Kandidatin Roth fordert 10 Schüler mehr pro Klasse

Hochschulen

Die Universität Zürich sei nicht direkt von den angekündigten Einsparungen betroffen, so Rektor Michael Hengartner im Januar 2016 an einem Podiumsgespräch am Tag der Bildung. Drei Monate später stellte die Bildungsdirektorin Silvia Steiner die konkreten Sparmassnahmen vor. Auch die Universität und die Fachhochschulen müssten ihren Beitrag leisten. Konkret bedeutet dies für die Universität Zürich eine Kürzung des kantonalen Kostenbeitrags um vier Millionen Franken jährlich von 2017 bis 2019. Dem Rektor sei es ein besonderes Anliegen, die Sparmassnahmen transparent zu kommunizieren.

Jedoch ist es offensichtlich, dass versteckte Sparmassnahmen seit dem Jahreswechsel 2015/2016 Schlag auf Schlag an den Hochschulen durchgeboxt werden. Top down und undemokratisch werden Lehrstühle gestrichen, das Fächerangebot wird massiv verkleinert und die Studienzeit wird beschränkt. Begründet werden diese Schritte seitens Unileitung mit der Anpassung an das europäische System oder dem Wohl der Studierenden. Der Prorektor der Universität Zürich Otfried Jarren betonte, dass die geplante Studienzeitbeschränkung nicht in Zusammenhang mit den Sparmassnahmen stehe, gleichzeitig sagte er aber auch, die Universität habe „mit den ihr anvertrauten Mitteln haushälterisch umzugehen.“ Transparenz sieht anders aus.

Auch an der ZHAW und ZHdK werden die Mittel gekürzt. „Angesichts bis 2018 eingefrorener kantonaler Mittel könne Neues nur auf Kosten von Bestehendem umgesetzt werden“, sagte Thomas D. Meier, Rektor der ZHdK.

Die Hochschulen werden mehr und mehr ökonomisiert (d.h. Studierende sollen für die Wirtschaft „brauchbar“ gemacht werden) und gleichzeitig werden ihnen die Mittel gekürzt. Ausbildung löst Bildung ab, Arbeitskräfte werden geformt und das alles mit möglichst wenig Ausgaben. Das gesparte Geld kann anschliessend wieder in Form von Steuergeschenken an Unternehmen ausgeschüttet werden (USR III).

Pressespiegel

NZZ: Der Umzug ins Toni-Areal wirft nachhaltig Wellen

Impuls Mittelschule: Was die Mittelschulen betrifft, betrifft auch die Universitäten

UZH-News: Maximalstudienzeit

UZH-News: Auch die Hochschulen müssen ihren Beitrag leisten

01_bildung